Epigenetische Drift
ENEpigenetic drift
Epigenetische Drift bezeichnet die fortschreitende, weitgehend stochastische Divergenz von DNA-Methylierungsmustern zwischen Zellen, Geweben und Individuen mit dem Alter. Den Schlüsselbeleg lieferten Fraga und Kollegen 2005 in PNAS: Eineiige Zwillinge starten epigenetisch nahezu identisch ins Leben, akkumulieren aber mit Alter und Umweltexposition deutliche Unterschiede in globaler und lokus-spezifischer 5-Methylcytosin- und Histon-Acetylierung. Drift ist konzeptionell anders als die uhrartigen, deterministischen Methylierungsänderungen, die Horvath-Uhren nutzen: Drift erzeugt Rauschen und reduziert die Kohärenz zwischen Zellen, während das Uhrsignal gerichtet ist. Issa (2014) beschrieb Drift als Teufelskreis, in dem Umweltbelastungen das Epigenom beschädigen und das Risiko für altersbedingte Erkrankungen und Krebs erhöhen. Drift gilt heute als Hallmark of Aging.
Quellen
- Fraga MF, Ballestar E, Paz MF, et al.. (2005). Epigenetic differences arise during the lifetime of monozygotic twins. *Proceedings of the National Academy of Sciences*doi:10.1073/pnas.0500398102
- Issa JP. (2014). Aging and epigenetic drift: a vicious cycle. *Journal of Clinical Investigation*doi:10.1172/JCI69735
- Lopez-Otin C, Blasco MA, Partridge L, et al.. (2023). Hallmarks of aging: An expanding universe. *Cell*doi:10.1016/j.cell.2022.11.001
