Bacteroidetes/Firmicutes-Verhältnis
ENBacteroidetes/Firmicutes ratio
Geprüft von Maurice Lichtenberg
Das Bacteroidetes/Firmicutes-Verhältnis wurde Mitte der 2000er Jahre prominent als funktioneller Biomarker der Darmmikrobiom-Gesundheit vorgeschlagen, basierend auf Beobachtungen in adipösen Mäusen und kleinen Humankohorten, die Adipositas mit einer relativen Reduktion der Bacteroidetes und Expansion der Firmicutes assoziierten und die zeigten, dass Gewichtsabnahme dieses Muster umkehrt. Die mechanistische Hypothese lautete, dass ein Firmicutes-reiches Mikrobiom aus der gleichen Ernährung mehr Energie extrahiert und so Fettansammlung fördert. Dieses vereinfachte Narrativ hat sich jedoch in vielfältigen Humankohorten nicht verlässlich repliziert: Große Folgestudien zeigten, dass das Verhältnis stark mit Sequenziermethodik, Ernährungsweise, Geografie und Kohortenzusammensetzung variiert, und viele fanden keine konsistente Assoziationsrichtung mit Adipositas oder metabolischer Gesundheit. Das Feld hat dieses Verhältnis als klinisch bedeutsamen Marker weitgehend deprioritisiert, da die Unterteilung der Darmmikrobiota in zwei Phyla die enorme funktionelle Vielfalt innerhalb jedes Phylums verwirft und Spezies- oder Genebenenanalysen eine weit informativere Auflösung bieten. In populärwissenschaftlichen Texten und Nahrungsergänzungsmittelmarketing hält es sich, wo es häufig überbetont wird.
Quellen
- Ley RE, Turnbaugh PJ, Klein S, Gordon JI. (2006). Microbial ecology: human gut microbes associated with obesity. *Nature*doi:10.1038/4441022a
- Turnbaugh PJ, Ley RE, Mahowald MA, Magrini V, Mardis ER, Gordon JI. (2006). An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest. *Nature*doi:10.1038/nature04014
