Schlafdefizit
ENSleep debt
Schlafdefizit bezeichnet die kumulative Differenz zwischen dem biologisch erforderlichen und dem tatsächlich erreichten Schlaf über aufeinanderfolgende Nächte. Das Defizit wächst schrittweise: Eine Beschränkung auf 6 Stunden Schlaf pro Nacht über 14 Tage erzeugt neurobehaviorale Beeinträchtigungen, die denen von bis zu zwei Nächten (~48 Stunden) totalem Schlafentzug entsprechen, wobei die Betroffenen ihr Leistungsdefizit systematisch unterschätzen — ein zentraler Befund der kontrollierten Dosis-Wirkungs-Studie von Van Dongen et al. (2003) an 48 gesunden Erwachsenen. Auf metabolischer Ebene verschlechtert bereits sechs Nächte mit nur 4 Stunden Schlaf pro Nacht die Glukosetoleranz, erhöht den abendlichen Kortisolspiegel und aktiviert das sympathische Nervensystem in einem Ausmaß, das dem normalen Alterungsprozess ähnelt — wie Spiegel, Leproult und Van Cauter (Lancet, 1999) an 11 gesunden jungen Männern zeigten. Wochenend-Nachholschlaf bietet eine teilweise, aber unvollständige Erholung: Åkerstedt et al. (2019) verfolgten 43.880 schwedische Erwachsene 13 Jahre lang und stellten fest, dass kurzer Schlaf unter der Woche kombiniert mit langem Wochenendschlaf bei unter 65-Jährigen keine erhöhte Sterblichkeit aufwies, während dauerhaft kurzer Schlaf an allen Tagen mit einer rund 65 % höheren Mortalitätsrate (HR 1,65) verbunden war. Der kausale Zusammenhang zwischen chronischem Schlafdefizit und Folgen wie kardiovaskulären Erkrankungen, Insulinresistenz sowie beschleunigtem kognitivem Abbau ist durch kontrollierte Humanexperimente gestützt; das Ausmaß irreversibler Schäden durch jahrelangen milden Schlafmangel bleibt jedoch in der epidemiologischen Forschung assoziativ.
Quellen
- Spiegel K, Leproult R, Van Cauter E. (1999). Impact of sleep debt on metabolic and endocrine function. *The Lancet*doi:10.1016/S0140-6736(99)01376-8
- Van Dongen HPA, Maislin G, Mullington JM, Dinges DF. (2003). The Cumulative Cost of Additional Wakefulness: Dose-Response Effects on Neurobehavioral Functions and Sleep Physiology From Chronic Sleep Restriction and Total Sleep Deprivation. *Sleep*doi:10.1093/sleep/26.2.117
- Åkerstedt T, Ghilotti F, Grotta A, Zhao H, Adami HO, Trolle-Lagerros Y, Bellocco R. (2019). Sleep duration and mortality – Does weekend sleep matter?. *Journal of Sleep Research*doi:10.1111/jsr.12712
