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Kognition & Soziales

Neuroinflammation

Neuroinflammation bezeichnet die Aktivierung des angeborenen Immunsystems des Gehirns — vornehmlich Mikroglia und Astrozyten — durch Proteinaggregate, Gewebeschäden oder sterile Alterungssignale, mit anhaltender Freisetzung proinflammatorischer Zytokine (IL-1β, TNF-α, IL-6) und reaktiver Sauerstoffspezies. Akut schützend, wird diese Reaktion im Alter chronisch und maladaptiv. Mikroglia wechseln von homöostatischer Überwachung zu proinflammatorischer Aktivierung und verlieren die Phagozytoseeffizienz zur Amyloid-β-Clearance; Astrozyten durchlaufen reaktive Gliose. Das NLRP3-Inflammasom ist ein zentraler Mechanismus: Amyloid-β-Oligomere und Tau-Aggregate aktivieren diesen Komplex und lösen Caspase-1-Spaltung sowie IL-1β-Sekretion aus. Ising et al. (2019, Nature) zeigten, dass NLRP3-Knockout im Tau-Mausmodell Hyperphosphorylierung reduzierte und Kognition verbesserte; in post-mortem-Mikroglia bei frontotemporaler Demenz war NLRP3 aktiviert. Heneka et al. (2015, The Lancet Neurology) etablierten Neuroinflammation als drittes Merkmal der Alzheimer-Krankheit, mit IL-1β-, TNF-α- und IL-6-Erhöhungen in Liquor und Serum. Ransohoff (2016, Science) beschrieb die Trias: Mikroglia-Aktivierung, Zytokinfreisetzung, synaptische Schädigung — schützende Mediatoren werden bei Chronifizierung zu Treibern der Neurodegeneration. TREM2-Verlustmutationen beeinträchtigen Phagozytose, APOE4 begünstigt einen proinflammatorischen Phänotyp. Ob Neuroinflammation der Alzheimer-Pathologie kausal vorausgeht oder reaktiv ist, bleibt umstritten; NSAID-Studien scheiterten, NLRP3-Inhibitoren zeigen stand 2026 nur im frühen präklinischen Stadium Wirksamkeit.

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